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Christy & Emily
Das Traum-Folk-Duo hätte keinen eindeutigeren Namen für sich finden können: Hinter Christy & Emily verbergen sich die Gitarristin Christy Edwards und die Keyboarderin Emily Manzo, die beide auf dem aus acht Songs bestehendem Debut-Album “Gueen´s Head” singen. Liebhaber klassischer Musik dürften Manzo von ihrer Arbeit mit dem Video-Künstler Paul Rowley kennen: ihre gemeinsame multi-media Performance (Material von John Cage) hat ihnen zahlreiche Auszeichnungen eingebracht. Obwohl ihr Geschmack bei Titeln eher im Bereich des Einfachen liegt (z.B. “Ocean”, “Ghost”, “Signs” und “Birds”), bevorzugen Christy & Emily in ihrer Musik Rätsel und Zweideutigkeit.
Anfangs einfach wirkende Songs werden in “Gueen´s Head” verkompliziert. Christy & Emily lassen beispielsweise wichtige lyrische Details weg: In “New Years” wundert man sich “ was das neue Jahr bringen wird, bevor er auch tot ist.” Dabei wird aber nicht definiert, wer “er” eigentlich ist. Oder Lagen von Home-Studio-Debris werden auf einander gehäuft, ohne dass dabei klar ist, wo Struktur aufhört und Atmosphäre beginnt. “Noah” beginnt mit zartem Keyboard-Geklimpere und geht dann schnell in ein frei fließendes Meer von Echo und Hall über.
Emily ist eine Pianisten mit klassischer Ausbildung – ihr Schwerpunkt liegt auf zeitgenössischen Komponisten. Christy hingegen ist eine autodidaktische Indie-Rockerin. Werden ihre Songs auf bloße Bestandteile reduziert, könnten Christy & Emily am besten als Indie-Folk-Dekonstrukteurinnen bezeichnet werden. Die wesentlichen Anteile von Vocals, E-Gitarre und Wurlitzer E-Piano sind so vorsichtig verteilt, dass jeder Song die richtige Balance hat.
PIERRE LA QUA
Wenn es einen typischen New Yorker Sound gibt, dann gehört die Musik von Christy & Emily, die musikalische Normen diesseits und jenseits von Folk und Avantgarde sprengt, auf jeden Fall dazu. In ihr paaren sich New Yorker Exzentrik und der Hang zu bizarrer Melancholie mit Herzlichkeit und der liebevoll intonierten Sehnsucht nach traditioneller amerikanischer Folkmusik. Vor allem Emily Manzo (Piano), die zum ersten Mal durch ihre JohnCagePerformances zusammen mit dem Videokünstler Paul Rowley Aufmerksamkeit erregte, setzt hier immer wieder Akzente.
Schichtweise stapeln die beiden gefühlvolle Homestudio Splitter und zuckersüße Gesangsharmonien übereinander, die es schwer machen zu unterscheiden, wo Struktur endet und Atmosphäre beginnt. Emily Manzos Piano pent swingend vor sich hin, Christy Edwards klampft dazu ganz einfache und schlichte Akkorde auf ihrer Gitarre. Momente später, wenn die eine über ihrem Piano zusammenbricht und die andere den Verzerrer ihres Instruments auf Anschlag stellt, verbreiten die beiden nur noch apokalyptisch anmutende Klangfetzen. Darüber gelegt (oder wegen des nicht ganz optimalen Sounds in der Rosi Bar besser: darunter gelegt): der immer wieder zwischen dissonant und anmutig eingesetzte Gesang der beiden Musikerinnen, die mit ihren hellen Stimmen ein wahres Kontrastprogramm zum instrumentalen Erguss aufbauen.
Kontraste sind somit auch das hervorstechendste Merkmal von Christy & Emily. Bei ,,Tidal Wave" etwa brandet die Flut schräger Töne so lange gegen eine Mauer kleiner, sanfter Melodien, bis sie sich gemeinsam zu einer eigenartigen, dem New Folk nahestehenden Harmonie einebnen.
Das atmosphärische ,,Ocean", eine Komposition, bei der Gastmusiker Mike Kneidl das Theremin bedient, taucht ab in die schwärzesten Tiefen des Ozeans, während "Thunder & Lightning" mit frischem Gitarrensound und leichtem Uptempo fast schon eine Spur poppig klingt. Und wer in allerfeinster traditioneller CountryManier vom ,,kleinen roten Haus unten am Fluss" erzählt und dies mit dubiosen Textzeilen wie ,,Cowboys protecting hippies with Kung Fu" paart, darf sich zumindest kollektiver Aufmerksamkeit sicher sein.
Zitty
Rohdiamanten
Bei Christy & Emily treffen verzerrte Gitarren auf verspielte Klavierpassagen und entrückten Chorgesang
Kalifornische Autodidaktin an Gitarre und Schlagzeug trifft in Brooklyn auf klassische Pianistin aus Ohio mit Schwerpunkt Neue Musik die Entstehungsgeschichte des Psych-Folk-Duos Christy & Emily lässt an folgenreiche Konstellationen heterogener Künstlerpersönlichkeiten wie Can oder Velvet Underground denken: Während Christy Edwards in diversen New Yorker Postpunkbands trommelte, entwickelte Emily Manzo mit Videokünstler Paul Rowley multimediale John Cage Spektakel. Auf dem Christy&Emily Debüt ,,Guenn's Head" sind solch vorangegangene Aktivitäten aber nur subtil in die atmosphärischen, minimal instrumentierten Folksongs miteingeflossen. Zwar wird in "Thunder & Lightning" schon mal ein StonesRiff angeschlagen, und auch Emilys Vorliebe für dissonante Akzente kommt mehrfach zur Geltung. Doch der Fokus liegt bei ihrem Duo auf den ungekünstelt vorgetragenen Lyrics, die, besonders wenn sie zweistimmig erklingen, an die magischen Momente von Neko Case, Damon & Naomi und natürlich Velvet Underground erinnern. Bei Letzteren vor allem an die Balladen von Drummerin Maureen Tucker. Und deren Weniger-ist-mehr-Maxime hat sich auch Christy zu eigen gemacht, wenn sie in "Ocean" von der Twang-Gitarre zu den Paukenschlegeln wechselt, um damit sachte die Ride-Becken zu bearbeiten während ihre Kollegin die Wurlitzter-Orgel zum Wummern bringt. Ein Stück, das den Verlauf einer Trennung vom Moment der Ohnmacht bis hin zu Gelöbnissen im auftrumpfenden Bolerorhythmus ("I rather steal than go back to you") meisterhaft nachzeichnet. |
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